Licht enthüllt und verbirgt. Es modelliert Körper, lässt Stoffe aufleuchten und Blumen aus der Dunkelheit hervortreten. Seit Jahrhunderten gehört Licht zu den wirkungsvollsten Gestaltungsmitteln der Kunst. Meister wie Caravaggio oder Rembrandt machten es zu einem unverwechselbaren Bestandteil ihrer Bildsprache. Auch für die niederländische Fotografin und Kunsthistorikerin Carla van de Puttelaar (*1967 in Zaandam) ist Licht weit mehr als Beleuchtung: Es ist Ausgangspunkt und eigentliches Gestaltungsmittel ihrer Kunst.
Mit „CARLAS LICHT“ widmet das Suermondt-Ludwig-Museum der international renommierten Künstlerin ihre erste Einzelausstellung in einem deutschen Museum.
Im Zentrum steht eine eigens für Aachen entwickelte Werkreihe, die in einen unmittelbaren Dialog mit der Sammlung des Museums tritt. Van de Puttelaar greift Motive der christlichen Marienikonografie auf und überführt sie in eine zeitgenössische fotografische Bildwelt. Dabei geht es nicht um eine historische Rekonstruktion. Vielmehr fragt die Künstlerin, wie überlieferte Vorstellungen von Weiblichkeit, Körperlichkeit und Identität heute gelesen werden können. Ihre intensive wissenschaftliche Beschäftigung mit der Porträtmalerei Alter Meister trifft dabei auf ihre jahrzehntelange fotografische Erfahrung.
Van de Puttelaar arbeitet bevorzugt mit natürlichem Nordlicht. Präzise eingesetzt, zeichnet es Konturen nach, hebt feinste Haut- und Stoffstrukturen hervor und schafft starke Kontraste zwischen Helligkeit und Dunkelheit. Aus der Kenntnis historischer Bildtraditionen entwickelt sie dabei eine unverwechselbare zeitgenössische Ästhetik.
Die Nähe zur Kunstgeschichte prägt ihre gesamte Arbeit. Van de Puttelaar studierte Fotografie an der Gerrit-Rietveld-Academie in Amsterdam und promovierte 2017 an der Universiteit Utrecht in Kunstgeschichte. Ihre Werke wurden international ausgestellt; fünf Porträts aus ihrem Projekt „Artfully Dressed: Women in the Art World“ befinden sich in der National Portrait Gallery London. 2016 entstand ihre „Rembrandt-Serie“ in Zusammenarbeit mit dem Museum Rembrandthuis 2020 zeigte das Musée national d’histoire et d’art Luxembourg eine Retrospektive.
„CARLAS LICHT“ lädt dazu ein, genauer hinzusehen: auf Körper und Stoffe, auf Blumen und Gesten, auf Bekanntes und neu Entdecktes – und auf das Licht, das sie miteinander verbindet.
Kuratorin
Sarvenaz Ayooghi
Katalog
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog in deutscher Sprache.